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Armut: Medien und Meinungen
Seit die Caritas zu Beginn des Jahres ihre Kampagne „Armut halbieren“ lancierte, reisst die Debatte über die Armut in der Schweiz nicht ab. „Weltwoche“-Redaktor Urs Paul Engeler wirft Caritas-Chef Hugo Fasel vor, dass er den „sensiblen Begriff Armut“ für politische Ziele missbrauche. In der Schweiz gebe es nur wenige tausend wirklich Bedürftige. „Der forsche Freiburger zielt [mit der Kampagne] nicht auf die Armut in den Ländern, wo es sie tatsächlich gibt und wo sie tötet, sondern auf die Armut in der Schweiz, wo sie (…) mit kalkulatorischen Kunstgriffen und journalistischem Kitsch herbeigeschrieben werden muss“, so Engeler weiter.
Verschiedene Autoren der Weltwoche sind der Überzeugung, dass sich die Armut in der Schweiz statistisch wegdefinieren lasse. Engeler schreibt: „Das karitative Armutsphantom löst sich spätestens dann in Luft auf, wenn die Schweiz, wie im bilateralen Abkommen zur internationalen Harmonisierung der Statistik vorgesehen, die tieferen Richtwerte der OECD zur Bestimmung der Armutsgrenze übernehmen wird.“
Problem Sozialhilfe?
Ebenfalls in der „Weltwoche“ gibt sich Alex Bauer überzeugt, dass das Problem nicht bei den angeblich Armen liegen würde, sondern bei der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (SKOS): „Wie die private Organisation, welche die Fürsorgetarife für die meisten Kantone vorgibt, mittlerweile selber einräumt, erhalten vor allem schlechtqualifizierte Immigranten in der Schweiz vom Sozialamt oft ungleich mehr Geld, als sie mit Arbeit verdienen könnten.“
Im „Bund“ schreibt der Ökonom Franz Jaeger, dass es zu viel „staatlich verordnete Solidarität“ gebe. Auch möchte er nicht generell von Armen reden, „sondern von schicksalsgetroffenen Sozialhilfeempfängern und Ausgesteuerten, deren Zahl wir durch Integrations- und Bildungsanstrengungen reduzieren wollen“.
Widerspruch
Mit einer Replik in der „Weltwoche“ reagiert der Präsident der SKOS, Walter Schmid, auf die Vorwürfe: „Was die Thesen und den Diskurs der Weltwoche zur Sozialhilfe (…) auszeichnet, sind ein tiefes Misstrauen gegenüber den Institutionen des Sozialwesens, ein Menschenbild, das sozialdarwinistische Züge trägt, und ein Gesellschaftsverständnis, das vor allem auf Repression setzt.
Werte wie sozialer Ausgleich oder Solidarität haben kaum Platz. (…) Die Diskreditierung von Armutsbetroffenen hat eine lange Tradition. Die Geschichte ist voll von Klagen über Bettelgesindel, Vagabunden, Schmarotzer, pflichtvergessene Mütter, leichte Mädchen und arbeitsscheue Burschen. So gesehen steht der Diskurs der Weltwoche zur Sozialhilfe in einer langen Tradition der moralischen Empörung.“
Im „Blick“ schliesslich ist auch Gassen-Pfarrer Ernst Sieber empört. Er kennt sie, jene von Armut betroffenen Menschen, und will nichts von Statistiken wissen. Erst kürzlich habe er eine alte Frau getroffen, „ein Geschöpf, geknechtet vom Leben, den Mann im Spital und ein Leben lang gekrüppelt – und sie kommt einfach nicht durch“.
Andreas Krummenacher
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Aus cathberne.ch
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